Bildbearbeitung mit Gimp (Teil 3): Bildfehler entfernen – die Retuschetechnik

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So verschwinden rot geblitzte Augen, Pickel und ganze Personen am Computer

Pickel, Falten, Kratzer oder Laternenmasten entstellen viele Bilder. Manchmal möchte man auch ganze Personen aus der Fotografie entfernen. Lesen Sie darum hier, wie Sie Ihre Aufnahmen mit dem Gratis-Programm Gimp ganz bequem am Computer retuschieren. Sie lernen Werkzeuge wie „Klonen“ und „Heilen“ kennen, und wir zeigen Tricks, die Ihnen die Arbeit erleichtern. Wir haben die Retusche-Technik für Sie mit den Gimp-Versionen 2.9.3 und 2.8.16 unter Windows getestet. Bedenken Sie jedoch, dass immer wieder neue Varianten des Programms erscheinen, Abweichungen sind also möglich.

 

Korrigieren Sie rot geblitzte Augen

Entstellen rot geblitzte Augen Ihre Portraitfotos? Das lässt sich in Gimp schnell korrigieren.

 

Rot geblitzte Augen

Wir haben die Augen mit der „Elliptischen Auswahl“ ausgewählt und den Befehl „Rote Augen entfernen“ aufgerufen.

 

Die Technik Schritt für Schritt:

  1. Zeigen Sie zunächst ein Auge möglichst groß. Dazu schalten Sie im Gimp-Werkzeugkasten zur Vergrößerungs-Lupe und rahmen ein Auge ein.
  2. Wechseln Sie jetzt im Werkzeugkasten zum Werkzeug „Elliptische Auswahl“ (also Kreisauswahl) und rahmen Sie die rot geblitzte Pupille ein.
  3. Verfeinern Sie den Auswahl-Umriss noch, indem Sie den Umriss an den Eckanfassern in die richtige Größe ziehen. Durch Ziehen innen in der Auswahl bewegen Sie den Umriss an die optimale Position.
  4. Zeigen Sie jetzt das andere Auge an. Klicken Sie oben im Bedienfeld „Werkzeugeinstellungen“ auf die zweite Schaltfläche „Zur aktuellen Auswahl hinzufügen„.
  5. Rahmen Sie die zweite Pupille mit dem elliptischen Auswahlwerkzeug ein.
  6. Wählen Sie „Filter, Verbessern, Rote Augen entfernen„. Meist sollten Sie hier einen Schwellenwert zwischen 50 und 100 einstellen.
  7. Klicken Sie auf „OK“. Jetzt sehen Sie die korrigierten Pupillen direkt im großen Bildfenster.
  8. Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden? Dann wählen Sie noch „Auswahl, Nichts„, um die vorhandene Auswahl aufzuheben.

Unsere Tipps zu dieser Technik:

  • Bei frontal fotografierten Portraits erscheint die Pupille exakt kreisförmig. Erzeugen Sie dann auch eine exakt kreisförmige Auswahl, also nicht irgendwie oval. Dazu schalten Sie in den Werkzeugeinstellungen die Option „Fest“ ein, wählen im Klappmenü daneben „Seitenverhältnis“ und geben „1:1“ an.
  • Erscheint ein harter Rand zwischen korrigierter Pupille und der Iris drumherum? Dann soften Sie den Auswahlübergang ab. Das erledigt der Befehl „Auswahl, Ausblenden„. Testen Sie zum Beispiel den Wert 8 Pixel.
  • Wollen Sie den Auswahl-Umriss nur verbergen, aber die Auswahl noch beibehalten? Das erledigt der Befehl „Ansicht, Auswahl anzeigen„. Falls Sie jetzt noch die Anfasspunkte der Auswahl sehen, schalten Sie zu einem anderen Werkzeug, zum Beispiel zur Vergrößerungslupe.
  • Mit dem Befehl „Auswahl, In Kanal speichern“ können Sie die Auswahl auch dauerhaft sichern und wieder aufrufen.

 

Rote Augen aus Bildern entfernen

Nach dem Klick auf „OK“ zeigt Gimp die verbesserten Pupillen. Der Auswahl-Umriss wurde entfernt.

 

Wie Sie die Werkzeuge bequemer nutzen

Bei den Retusche-Funktionen aus diesem Beitrag müssen Sie immer wieder verschiedene Werkzeuge aufrufen, doch der Gimp-Werkzeugkasten wirkt reichlich unübersichtlich. Schalten Sie die Werkzeuge darum wahlweise auch anders ein, mit einer dieser Techniken:
• Öffnen Sie das Untermenü „Werkzeuge, Auswahlwerkzeuge“ und wählen Sie hier die „Elliptische Auswahl“ an. Öffnen Sie das Untermenü „Werkzeuge, Malwerkzeuge“ für alle Retuschewerkzeuge wie das „Klonen“-Werkzeug.
• Die Alternative: Schalten Sie die Werkzeuge einfach mit Tasten auf Ihrer Tastatur ein: Die Vergrößerungslupe aktivieren Sie zum Beispiel mit der Taste „Z“, die elliptische Auswahl mit dem „E“ und das Klonen-Werkzeug mit dem „C“.
Falls Sie das Bedienfeld „Werkzeugeinstellungen“ noch nicht sehen, klicken Sie im Werkzeugkasten doppelt auf ein Werkzeug oder wählen Sie „Fenster, Andockbare Dialoge, Werkzeugeinstellungen“.

 

So entfernen Sie Bildstörungen

Egal, ob Pickel oder Laterne – Bildstörungen lassen sich mit Gimp bequem entfernen.

Das typische Verfahren:
1. Schalten Sie im Werkzeugkasten zum „Klonen“-Werkzeug, oder drücken Sie einfach die Taste „C“. Dieses Werkzeug wird auch als Kopierstempel bezeichnet.
2. Der Mauszeiger erscheint jetzt als Kreis. Halten Sie den Kreis einmal über die Störung, zum Beispiel über einen Pickel. In der Regel sollte der Kreis etwas breiter als die Störung ausfallen. Richten Sie also im Bedienfeld „Werkzeugeinstellungen“ die passende „Größe“ ein. Die Retusche wirkt oft mit einem weichen Übergang am unauffälligsten, wählen Sie darum auch eine weiche Pinselspitze aus.
3. Suchen Sie neben der Störung eine Stelle mit brauchbaren Pixeln, die Sie über die Störung kopieren können. Diese Stelle klicken Sie auf Windows-Rechnern bei gedrückter Steuerung-Taste an, an Mac-Computern bei gedrückter Command-Taste. So haben Sie Ihre Kopierquelle definiert.

 

 

Klonen in Gimp

Wir haben mit dem „Klonen“-Werkzeug eine Kopierquelle links von der Hautstörung definiert und halten den Mauszeiger jetzt direkt über den Fehler.

4. Klicken und ziehen Sie bei gedrückter Maustaste über die Störung, zum Beispiel über den Pickel. Die Störung verschwindet und wird durch die zuvor angeklickten Pixel ersetzt. Diese Kopierquelle hebt Gimp weiterhin durch einen Kreis hervor – Sie wissen also immer genau, von woher Sie Pixel über die Störung kopieren.

 

Störungen aus Bildern mit Gimp entfernen

Nach ein oder zwei Klicks mit dem „Klonen“-Werkzeug verschwindet die Störung spurlos.

 

Holen Sie noch mehr aus dem „Klonen“-Werkzeug heraus

Machen Sie sich im Bedienfeld „Werkzeugeinstellungen“ mit den Optionen zum „Klonen“-Werkzeug vertraut, dann können Sie noch vielseitiger arbeiten:
• Nützlich bei Montagen: Das „Klonen“-Werkzeug kopiert zunächst nur Bildpunkte von der aktuellen Ebene. Wollen Sie jedoch Pixel aus dem Gesamtbild mit allen Montagen aufnehmen, nutzen Sie die Option „Vereinigung prüfen„.
• Gerade bei Hautretuschen wirkt eine komplette Korrektur zu auffällig. Dann senken Sie oben in den „Werkzeugeinstellungen“ die „Deckkraft“ zum Beispiel auf 50 Prozent. Ebenfalls bei Hautretuschen lohnt sich auch der Wechsel des „Modus“ von „Normal“ zu „Nur aufhellen“. So erzeugen Sie garantiert keine neuen Schatten.
• Wenn Sie in einer komplexeren Umgebung retuschieren, lassen Sie die Maustaste gelegentlich los und setzen neu an. Soll die Kopierquelle dann immer den gewohnten, zu Anfang festgelegten Abstand zum korrigierten Bereich behalten, schalten Sie das „Ausrichtung“-Klappmenü auf „Ausgerichtet“.
• Gibt es Helligkeits- oder Farbunterschiede zwischen Quellbereich und Störstelle, die im Ergebnis auffallen? Dann verwenden Sie nicht das „Klonen“-Werkzeug, sondern das „Heilen“-Werkzeug, das wie ein Pflaster aussieht. Es soll solche Unterschiede automatisch ausgleichen und so für glattere Retuschen sorgen. In der Praxis arbeitet die Funktion aber sehr langsam und entstellt viele Bilder eher. Sie haben die gleichen Optionen wie beim „Klonen“-Werkzeug.

 

Wenn Störung und Hauptmotiv hart aufeinander treffen

In der Regel wird die Retusche mit einer weichen Werkzeugspitze am unauffälligsten. Allerdings: Grenzt die Störung hart an ein wichtiges Bilddetail, hilft die weiche Pinselspitze nicht weiter. So in unseren Beispielbild: Wir wollen einen Baukran entfernen, der hinter dem Kirchturm verschwindet. Mit einer weichen Pinselspitze und dem Verfahren von oben gelingt das nicht. Stellen Sie darum zu einer harten Pinselspitze um.

 

Mit Gimp Störungen aus BIldern weg retuschieren

Eine Auswahl schützt den Kirchturm gegen jede Veränderung. Nun können Sie den Kran bequem wegretuschieren, ohne das Bauwerk mit zu beschädigen.

 

Oder verwenden Sie gleich dieses Verfahren, das noch viel besser ist:
1. Wählen Sie den Kirchturm aus, zumindest den Bereich nahe dem Baukran. Nehmen Sie zum Beispiel die Werkzeuge „Zauberstab“ oder „Lasso„.
2. Kehren Sie die Auswahl um. Das erledigt der Befehl „Auswahl, Invertieren„. So schützen Sie den Kirchturm gegen jede Veränderung, denn jetzt ist nur noch die Umgebung ausgewählt.
3. Schalten Sie zum „Klonen„-Werkzeug um. Sie können es jetzt sogar mit weicher Werkzeugspitze verwenden.
4. Definieren Sie per Strg-Klick eine Kopierquelle und retuschieren Sie den Kran wie gewohnt weg. Sie können auch nah am Kirchturm arbeiten – er ist durch die Auswahl vollständig gegen Veränderung geschützt. Der Baukran verschwindet perfekt, doch der Kirchturm wird nicht entstellt.

 

Der Trick mit der Duplikat-Ebene

Duplizieren Sie die aktuelle Bild-Ebene und retuschieren Sie nur auf der Duplikat-Ebene.

Das bringt zwei Vorteile:
• Geht die Retusche daneben, löschen Sie einfach die Duplikat-Ebene und setzen neu an.
• Haben Sie zuviel retuschiert, können Sie immer noch wichtige Details von der unteren Ebene ins Gesamtbild einblenden, Sie mischen also Original und Retusche-Fassung.
In unserem Beispiel wollen wir die Werbung von einem Auto entfernen. Dabei verschwinden aber ungewollt auch Teile der Türfuge. Wir holen das Detail jedoch per Ebenen-Maske wieder ins Bild zurück.

 

Ebenen in Gimp duplizieren

Wir haben die Ebene dupliziert und entfernen die Werbung vom Auto. Dabei verschwinden ungewollt auch Details vom Chassis, hier die Türfuge.

 

Das Verfahren Schritt für Schritt:
1. Wählen Sie „Ebene, Ebene duplizieren„.
2. Retuschieren Sie wie gewohnt. Falls Sie zuviel wegretuschieren, ist es nicht so tragisch.
3. Jetzt folgt der Befehl „Ebene, Maske, Ebenenmaske hinzufügen„. Im Dialogfeld nehmen Sie „Weiß (volle Deckkraft)“ und klicken auf „Hinzufügen“. Das Bild verändert sich noch nicht.
4. Schalten Sie zum „Pinsel“-Werkzeug und richten Sie mit der Taste „D“ schwarze Vordergrundfarbe ein.
5. Übermalen Sie Bildstellen, in denen Sie ungewollt retuschiert haben – die Original-Bildpunkte werden wieder sichtbar.
6. Haben Sie schon zuviel wieder sichtbar gemacht, in unserem Beispiel also auch Teile der unerwünschten Werbung? Dann schalten Sie mit der Taste „X“ zu Weiß um, damit malen Sie die Werbung weg.
7. Sind Sie endgültig mit der Retusche zufrieden? Wählen Sie „Ebene, Nach unten vereinen„.

 

Originalbild und retuschierte Version nach Maß vermischen mit Gimp

Malen Sie mit Schwarz in der Ebenenmaske. So mischen Sie Originalbild und retuschierte Version nach Maß: die Türfuge erscheint wieder, die Werbung bleibt verschwunden.

 

Die Alternative: Arbeiten Sie mit Auswahl und Ebene

Bei der Retusche kopieren Sie immer wieder Bildpunkte möglichst unauffällig von einer Stelle an eine andere. Das geht auch ganz ohne Werkzeuge wie „Heilen“ oder „Klonen – nutzen Sie Auswahl- und Ebenentechnik.

Wir zeigen Ihnen das am Beispiel einer Faltenretusche:
1. Schalten Sie im Werkzeugkasten das „Lasso„-Werkzeug ein.
2. In den „Werkzeugeinstellungen“ nehmen Sie die Option „Kanten ausblenden“ mit etwa drei Pixel „Radius“. So entsteht ein weicher Übergang zwischen Retuschezone und unveränderten Bildpunkten.
3. Ziehen Sie eine Auswahl um die Falte herum.
4. Schalten Sie im Werkzeugkasten das „Verschieben„-Werkzeug ein (es sieht wie ein Anker aus). Halten Sie Strg- und Alt-Taste gedrückt; dann ziehen Sie bei gedrückten Tasten die Auswahl über glatte Haut, welche die Falte überdecken soll.
5. Wählen Sie „Bearbeiten, Kopieren„. Nun folgen die Befehle „Bearbeiten, In Auswahl einfügen“ und „Ebene, Zur neuen Ebene„. Das Stück glatte Haut liegt jetzt als eigene Ebene vor.
6. Das „Verschieben„-Werkzeug ist ja noch aktiv. Ziehen Sie die glatte Haut über die Falte.

 

Falten retuschieren in Gimp, mit dem Lasso markieren

Wir haben die Falte mit dem „Lasso“ ausgewählt und ziehen die Auswahl jetzt mit dem „Verschieben“-Werkzeug nach unten über glatte Haut.

 

Diese Korrektur wirkt bei unserem Beispiel zunächst auffällig grob. Passen Sie das Ergebnis darum mit diesen Tricks nach Belieben an:
• Entfernen Sie harte Ränder mit dem „Radierer„-Werkzeug bei weicher Werkzeugspitze.
Senken Sie im „Ebenen“-Bedienfeld die „Deckkraft„; Haut-Retuschen erscheinen dann natürlicher.
• Ebenfalls speziell bei Haut-Retuschen ändern Sie ganz oben im „Ebenen“-Bedienfeld den „Modus“ von „Normal“ zu „Nur aufhellen„.
Sind Sie endgültig zufrieden, wählen Sie „Ebene, Nach unten vereinen„.

 

Natürliche Retusche von Falten

Die glatte Haut wird auf einer neuen Ebene über die Falte gelegt. Wir senken noch die „Deckkraft“, damit die Retusche natürlicher erscheint.

 

 

 

Wie Sie rote Augen retuschieren, erfahren Sie auch im folgenden Video:

Wir wünschen Ihnen viel Freude mit Ihren Fotos!